Zu Besuch bei

Zu Besuch bei "Jollyknits"

12. 4. 2017 Zu Besuch bei von ansalia.ch

Normalerweise dauert ein Interview ca. zwei Stunden. Bei Jolanda von "Jollyknits" war ich fast drei Stunden und ich hatte das Gefühl, wir sind immer noch nicht fertig: So spannend war das Gespräch!

Jolanda, eine aufgestellte Frau, die weiss was sie will! Sie lebt mit Ihrem Mann und Hündin Kayla in Winterthur, wo sie auch Ihr Atelier hat.

Du bist sehr kreativ, warst Du es immer?

Bereits im Kindergarten hatte ich Spass mit Wolle und Stoff zu arbeiten. Ich sass stundenlang in meinem Kinderzimmer und schneiderte Kleider für meine Barbiepuppen. Da ich noch nicht nähen konnte, klebte ich die Stoffe mit Leim zusammen oder heftete sie mit Heftklammern. Auch zeichnete ich sehr viel und träumte davon eine grosse Modedesignerin zu werden. Als ich dann in die Schule kam, freute ich mich bereits auf die ersten Handarbeitsstunden. Damals wurde noch viel Wert darauf gelegt, dass Mädchen das Strick- und Nähhandwerk erlernten. Kreativ zu sein war für mich schon damals sehr wichtig und das Schönste überhaupt!

Wo hast Du Deine Ausbildung gemacht?

Leider war es mir nach der Schule nicht vergönnt, meinen Wunschberuf Schneiderin zu erlernen. Ich machte eine Lehre als Damen-Coiffeuse. Die Ausbildung war sehr lehrreich und prägte meinen weiteren Lebensweg. Danach folgten die berühmten Lehr- und Wanderjahre. Ich probierte verschiedene Berufe aus und war nirgends richtig glücklich, denn ich wusste in meinem Innersten: alles was ich wollte war nähen, kreativ und selbstständig sein.

Und, hat es geklappt mit der Selbständigkeit?

Mein Mann war ein passionierter Turniertänzer. Als wir uns kennenlernten hat er mir das Tanzen beigebracht und wir haben begonnen Turniere in Standard- und Latein zu tanzen. Es hat mir sehr viel Spass gemacht. Viele denken, dass das Tanzen schön ist aber es ist ein Leistungssport, man muss sehr viel trainieren, regelmässig ins Krafttraining gehen und viele von uns haben sogar Ballet-Stunden besucht. Es war auch nicht einfach, schöne Kleider für die Turniere zu finden. So habe ich angefangen, die Kleider für mich selber zu nähen. Meine Kleider waren anscheinend sehr schön und bald habe ich Aufträge von meinen Tanz-Kolleginnen erhalten.

Dann war mir klar, das Bedürfnis ist da und meiner Selbständigkeit und meinem Schneideratelier stand nichts mehr im Weg! Ich entwarf und nähte Kleider für namhafte Eiskunstläufer und Turniertänzer im In- und Ausland. Jeden Tag verarbeitete ich edle und wunderbare Spitzenstoffe. Daraus entstanden luxuriöse Kleider und diese wurden mit Tausenden von Swarovski-Strasssteinen verziert. Es machte mich unendlich glücklich und stolz, diese in stundenlanger Kleinarbeit genähten Kleider auf der Tanzfläche oder sogar im Fernsehen an Europa- und Weltmeisterschaften zu sehen.

Wie ging es weiter?

Nach 9 Jahren fand ich dass es an der Zeit war eine neue Herausforderung zu suchen und habe dann mein Atelier aufgegeben. Die neue Herausforderung liess nicht lange auf sich warten...

Bei uns im Quartier habe ich einen Kurs für Porzellanpuppen besucht. Nachdem meine erste Puppe fertig war, wollte ich dazu einen Teddybär nähen. Ich habe gewusst, dass ich in meinen Schulunterlagen ein Schnittmuster hatte und nach diesem habe ich meinen ersten Teddybär genäht.


Warum Teddybär?

Irgendwie hat mich das Thema richtig gepackt und ich wollte mehr wissen, woher die Teddybären kommen, was für Arten es gibt und ich habe versucht alle Informationen dazu sammeln. Dann habe ich auch herausgefunden, dass es sogar Europa; und Weltmeisterschaft und Börsen für genähte Teddybären gibt. Ich habe mich für meine erste Europameisterschaft angemeldet. Die Platzierung war eine Enttäuschung - aber gleichzeitig ein Ansporn zum Weitermachen. Gleich nach der Meisterschaft habe ich meinem Mann gesagt: "Nächstes Jahr stehe ich auf dem Podest!" Mit viel Fleiss, Arbeit und Innovation habe ich es dann tatsächlich geschafft den ersten Preis zu gewinnen. Seit diesem Tag stand ich meist auf dem Podest :-)!

Es folgten Reisen durch ganz Europa und sogar nach Übersee nach Japan und Amerika. Immer im Gepäck: eine Gruppe von Teddybären. Es war wunderschön zu erleben, wie diese haarigen Gesellen die Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen miteinander verbinden konnten. Ich knüpfte viele neue Kontakte und es entstanden Freundschaften über den ganzen Erdball verteilt. Auf dem Höhepunkt meiner Karriere mit vielen Schweizer-, Europa- und sogar Weltmeistertiteln habe ich mich dann aus der Welt der Bären und Puppen verabschiedet. Getreu dem Motto: Man soll aufhören wenn es am schönsten ist.

Und dann bist Du zu Deiner alten Leidenschaft Stricken zurück gekehrt...

Nach den Bären ist Kayla zu uns gekommen. Wir waren plötzlich mehr gebunden und konnten nicht mehr so viel reisen. Ich habe dann eine weitere Ausbildung zum Visual Mechandiser absolviert und für Globus, Douglas und Migros gearbeitet. Ich habe wieder angefangen zu stricken und habe bemerkt, dass viele Strickanleitungen nicht stimmen und Fehler haben. So ist meine erste Strickanleitung entstanden. Diese habe ich auf einer Online-Plattform zum Verkauf angeboten und bemerkt, dass sie sich gut verkauft. Dann folgten neue Strickanleitungen und wieder der Schritt in die Selbständigkeit :-).

Wie entsteht eine Strickanleitung?

Das Endprodukt habe ich im Kopf. Aber es kommt vor, dass sich die Anleitung während der Entstehung weiter entwickelt oder ganz verändert. Ich habe langjährige Erfahrung und versuche immer etwas Neues zu entwickeln.

Wo verkaufst Du Deine Strickanleitungen und Strick-Sets?

Seit 2013 auf ansalia, Dawanda, Raverly, Etsy, Craftsy und Loveknitting und auf meiner eigenen Webseite. Die Strickanleitungen sind in Deutsch und Englisch verfasst und meine Kundschaft ist sehr international. Ich habe Kunden in den USA, Australien, Asien und in Europa (siehe meine Lieferungen auf der Weltkarte).

Seit einem Jahr verkaufst Du auch eigene handgewickelte Farbverlaufswolle "Zaubergarten"

Mein Mann hat mir schon lange dazu geraten, dass ich zu meinen Strickanleitungen auch Wolle verkaufen sollte. Ich habe mich lange dagegen gesträubt, weil ich kein Warenlager zuhause haben wollte. Vor einem Jahr habe ich angefangen, die feine Merinowolle selber zu wickeln und meine eigene Produktlinie zu entwickeln. Die Wolle ist bei meinen Kunden sehr gut angekommen und ist ein Erfolg!

Was gefällt Dir an ansalia und welche sind Deine Lieblings-Shops?

Ich finde ansalia sehr ansprechend und ich bin sehr froh, dass wir in der Schweiz einen Marktplatz für Handgemachtes haben. Wir Kreativen sitzen im gleichen Boot und müssen uns gegenseitig unterstützen. Ich weiss was es heisst eine Plattform zu betreiben und wieviel Arbeit dahinter steckt. Ansalia entwickelt sich weiter und ich schätze es sehr, dass meine Verbesserungsvorschläge ernst genommen und zum Teil auch umgesetzt wurden.

Meine Lieblings-Shops auf ansalia sind: WorkAndBeadAndMore, MaJulie und Photos4Elements.

Deine Tricks und Tipps für ansalia-Produzentinnen

Auch wenn das Produkt sehr schön ist aber das Bild qualitativ nicht gut ist, dann hat das Produkt fast keine Chance, online verkauft zu werden. Das Bild verkauft und das ist leider nicht allen bewusst. Damit unsere Kunden zurückkehren und neue dazu kommen muss das Angebot und die Qualität stimmen. Die Kunden werden immer anspruchsvoller und es ist wichtig, dass wir uns verbessern und weiter entwickeln.

Liebe Jolanda, herzlichen Dank für Deine Zeit und das sehr interessante Gespräch. Du bist eine Bestätigung dafür, dass Leidenschaft, Herzblut, Professionalität und Geduld die Garanten für Erfolg sind!

Ich wünsche Dir alles Gute, weiterhin viel Erfolg und viele zufriedene Kunden in der Schweiz und im Ausland.

Andrea vom ansalia Team


Zum Shop "Jollyknits"

Kommentare
WorkAndBeadsAndMore14. 4. 2017
16:55
WorkAndBeadsAndMore

Was für ein tolles Interview. Ich finde es immer schön ein wenig hinter die Kulissen gucken zu dürfen. Deine Verlaufs-Bobbels haben mich von ersten Augenblick an Fasziniert. Auch spannend zu lesen was du schon so alles auf die Beine gestellt hast. Ich wünsche dir weiterhin ganz viel Erfolg und noch viele viele Pins für deine Weltkarte. :) Ganz liäbs Grüässli Erika

atelier54bis13. 4. 2017
20:18
atelier54bis

Ich bin beeindruckt! Du bist ja eine richtige Tausendsassa, liebe Jolanda. Deine Puppen sind allerliebst, aber die Bären und anderen Pelztiere haben es mir besonders angetan. Und nach allem, was Du schon unternommen hast, zauberst Du nun wunderschöne Wolle und Strickanleitungen für uns. Wow... Ein lieber Gruss, Rosmarie

strickARTspitze13. 4. 2017
19:53
strickARTspitze

Ich staune! Eine sehr vielseitige und kreative Persönlichkeit! Danke für das interessante Interview. Leider kann ich mich trotz Nachfragen zum Aufsetzen von Anleitungen zu meinen Kreationen nicht aufraffen, da ich diesen Part nicht gerne mache. Meine Passion liegt mehr in der Kreation und der Arbeit selber. Da hat jede/r seine Prioritäten. Das Nachstricken meiner Modelle in Wunschfarbe macht mir wiederum grossen Spass, denn das ist für mich Entspannung pur. Es soll auch mehr eine Liebhaberei bleiben. Jollyknits, Jolanda, weiterhin viel Erfolg! Maria

Naturhandwerk13. 4. 2017
15:25
Naturhandwerk

Es ist immer wieder schön zu sehen, wer hinter den Produkten steht! Bei dir auch wieder besonders spannend! Toller Bericht!

Rady13. 4. 2017
14:06
Rady

Beindruckend, so eine vielseitige Frau. Ein Kompliment!

Jollyknits13. 4. 2017
07:36
Jollyknits

Liebe Andrea, vielen herzlichen Dank für den tollen Morgen denn wir zusammen verbracht haben und das daraus entstandene Interview :-) Auf eine weiterhin spannende Reise zusammen mit Ansalia, herzlichst Jolanda.

Fouta13. 4. 2017
07:32
Fouta

So ein spannender Bericht. Herzlichen Dank und weiterhin viel Erfolg liebe Jolanda! Viele Grüsse aus Tunesien, Fouta

MaJulie13. 4. 2017
07:30
MaJulie

Liebe Jollyknits. Ein wunderschöner Bericht. Ich liebe deine Anleitungen und stöbere immer gerne bei dir. Ganz en liebe Gruess MaJulie :o)

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