Regenkonzert

7. 8. 2019 Blogs von Allerlei

Nun ziehen sie heran, die dicken Wolken, riesigen Kreuzfahrtschiffen gleich. Aber statt auf dem Wasser zu gleiten, bringen sie welches mit – und das nicht zu wenig.

Ich spüre sogleich eine Erleichterung, so wie es die Natur wohl auch tut. Zu lange dauerte die Trockenheit, zu staubig ist der Boden.

Jetzt sind sie da, die grauen Riesen, lautlos schweben sie heran. Und nun, so denke ich plötzlich, bin ich wohl alt genug geworden, den Regen deuten zu können bevor er fällt. Ich sehe es am Licht, das sich ändert, es wird schwer und düster und ich rieche das Wasser, Sekunden bevor es vom Himmel zu prasseln beginnt.

Ich schliesse die Augen und es scheint, als applaudiere die Welt. Das Rauschen und Plätschern der Tropfen hört sich an, wie tausend klatschende Hände; stehende Ovationen für die Natur. So, als würden sie rufen:

„Hochachtung vor deinem Durchhaltewillen, stolzer Zuckermais!“

„Bravo Thaibasilikum, dass du doch noch grosse Blätter bildest!“

„Verneigungen vor eurer Schönheit, ihr prächtigen Dahlien!“

„Hervorragend, wie du anwächst, Winterlauch!“

Und der Applaus nimmt zu, wird fast ohrenbetäubend, als der Himmel seine Tore noch weiter öffnet.

„Danke, Natur! Dafür, dass du uns so reich beschenkst, uns inspirierst, unsere Phantasie anregst, uns durchatmen lässt, uns vor Ehrfurcht staunen lässt, darüber wie du deine Kreativität instinktiv auslebst, uns daran teilhaben lässt, uns Teil davon werden lässt, um schlussendlich uns schöpferisch, erfinderisch und ideenreich werden lässt, damit wir aus all deinen Schätzen Neues kreieren können.

Der Beifall flaut ab, aber nur für einen kurzen Augenblick. Dann bricht das Tosen ein letztes Mal los, laut, jubelnd, wild, lebendig. Und plötzlich – Stille. Nur noch das Tropfen der nassen Welt ist zu hören. Nasse Perlen fallen von Tanne, Blumen, dem Blättergewand der Bäume.

Langsam ist das Zwitschern der Vögel wieder zu vernehmen. Wie fröhliche Zuschauer, die nach dem Konzert den Saal verlassen, schnatternd, lachend, ganz entspannt.

„Komm mit, Spatz, Rotkehlchen gibt ein paar Tropfen Regen aus. Lass uns zu den Dahlien fliegen!“

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